Rauchen schädigt Spermien

Nikotin kann Mutationen am Sperma verursachen

20.05.2008 Julia Hoffmann

Rauchende Männer schränken nicht nur die Chancen einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung ein, sondern schädigen auch ihr eigenes Sperma.

Frauen, die sich ein Kind wünschen und entsprechend gemeinsam mit ihrem Partner auf die Verhütung verzichten, wissen oft schon im Vorfeld, dass das Rauchen schädlich für das ungeborene Leben, aber auch für den Körper der Mutter sein kann. Daher empfiehlt es sich, schon bei der Familienplanung das Rauchen einzustellen. Aber auch der Mann trägt beim gemeinsamen Kinderwunsch eine wesentliche Verantwortung. Und obwohl nicht er derjenige ist, der das Kind letztendlich austrägt, kann auch seine Nikotinsucht zur Verzögerung oder gar zur Nichterfüllung des Kinderwunsches beitragen.

Neue Erkenntnisse bei Reproduktionskongress

Selbst bei einer künstlichen Befruchtung sei die Chance, dass sich Eizelle und Spermien vereinen, geringer, wenn der Mann regelmäßig raucht. Professor Sabine Kliesch vom Universitätsklinikum Münster berichtete beim beim Kongress des Dachverbands Reproduktionsbiologie und Reproduktionsmedizin (DVR) in Bonn im September 2007, dass die Schwangerschaftsrate bei Paaren, die die klassische In-vitro-Fertilisation nutzen und bei denen, die die mittels intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion (ICSI) schwanger werden wollen, deutlich geringer sei, wenn der Mann raucht.

Studien zeigen alarmierende Zahlen

Bei beiden Verfahren gleichzeitig läge die Schwangerschaftsrate bei nichtrauchenden Paaren bei etwa 38 Prozent. Im Falle eines rauchenden Mannes sinkt diese Rate jedoch deutlich: auf 22 Prozent. Diese Zahlen ergaben sich aus Studien, die in Münster am Institut für Reproduktionsmedizin, an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und der Klinik für Urologie durchgeführt worden waren. Und auch wenn nur eine klassische In-vitro-Fertilisation angewendet wurde, lag die Schwangerschaftsrate bei Frauen mit Nichtrauchern als Partner immerhin bei 32 Prozent, aber nur 18 Prozent der Frauen mit rauchenden Männern wurden nach einer IVF schwanger.

Kanadische Studie weist Mutationen am Sperma nach

Die Professorin geht davon aus, dass sich Rauchen schädigend auf den Kern des Spermiumkopfes auswirke. Dafür sprächen die ebenfalls geringen Erfolgsraten bei ICSI-Versuchen. In einer kanadischen Studie wurde indes nachgewiesen, dass Nikotinsucht auch Mutationen bei männlichen Spermien bewirken kann. Bei dieser Studie wurden zwei unterschiedliche Gruppen von Nagetieren getestet die 6 beziehungsweise 12 Wochen lang Tabakrauch ausgesetzt wurden. Eine Vergleichsgruppe „nichtrauchender“ Mäuse wurde als Beleggruppe eingesetzt. Bereits nach sechs Wochen zeigten sich 1,4 mal mehr Mutationen in der Spermien-DNA der Mäuse, die dem Tabakrauch ausgesetzt gewesen sind. Nach zwöf Wochen war dieser Faktor bereits auf 1,7 angestiegen.

Erbgut bei Frauen nicht in Gefahr

Frauen hören zwar in der Regel schon am Beginn des Kinderwunsches mit dem Rauchen auf, haben aber durch vorherigen Nikotinkonsum keine genetischen Schäden an ihren Erbgutträgern, den Eizellen, zu erwarten. Das liegt daran, dass die komplette Anzahl der weiblichen Eizellen bereits bei der Geburt vorhanden ist. Bei Männern bilden sich die Spermazellen jedoch beständig in den Hoden nach so dass Schäden am Erbgut durch Rauchen wahrscheinlicher werden.

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